Zeitungsberichte BIB 2025 (2)
Berufsinformationsbörse Syke: 370 Gäste lauschen Philip Keils Worten
© Berufsbildende Schulen Syke
Einen Abend der Extraklasse haben knapp 370 geladene Gäste am Mittwoch im Syker Theater erlebt. Der Schulleiter der Berufsbildenden Schulen, Bernhard Zahn, eröffnete auf der dortigen Bühne die Berufsinformationsbörse (Bib). Mit der Frage nach dem Bekanntheitsgrad von Lena Gercke, die im Jahr 2006 die erste Staffel von "Germany's Next Topmodel" gewann, verglich er einleitend die Gemeinsamkeiten zur diesjährigen Bib. „Wir sind beide im 20. Jubiläumsjahr“, stellte Zahn fest. Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten, gestand er ein.
Bernhard Zahn lobte "die tolle Ausstrahlung und den mittlerweile erreichten Bekanntheitsgrad der Berufsinformationsbörse". Er begrüßte die Vertreter der ausstellenden Betriebe, die Sponsoren sowie Vertreter aus Politik und Verwaltungen. Sein besonderer Dank ging an die Sykes Bürgermeisterin Suse Laue und die einzelnen Arbeitsgruppen und Cheforganisator Dennis Hammer. Seit zehn Jahren organisiert Hammer die Bib hauptverantwortlich. „Die Diesjährige ist für ihn ein absoluter Rekord", hielt Zahn fest. 126 Betriebe und Institutionen präsentieren sich noch bis Sonnabend in Schulgebäudeteilen zwischen den Straßen An der Weide bis hin zur Ernst-Boden-Straße. 86 Ausbildungsberufe werden vorgestellt. "Die Nachfrage durch Firmen war so groß, dass wir 70 Interessenten keinen Platz mehr anbieten konnten“, so Hammer.
In Absprache mit seinem Organisationsteam hatte Hammer den Bib-Eröffnungsabend hervorragend geplant. Neben den Grußworten der stellvertretenden Landrätin Dörte Meyer erfreuten auch die Musikbeiträge von Jörn Meyer aus Stuhr die vielen Gäste. Musikstücke wie "Proud Mary" oder ein "Italo-Medley" fanden klatschende und mitschnippende Unterstützung aus den Reihen des Publikums.
Ein ganz besonderes Händchen hatte Hammer mit der Wahl des Festredners bewiesen. Nachdem in den Vorjahren bekannte Persönlichkeiten wie Wolfgang Bosbach, Natalie Amiri, Babak Rafati, Christian Bischoff und viele andere die Berufsinformationsbörse durch ihre Anwesenheit aufwerteten, konnte er in diesem Jahr Philip Keil als Gastredner gewinnen. Keils Thema für die Eröffnungsfeier lautete "Crash oder Punktlandung".
Philip Keil kommt aus Bayern und war im Jahr 2003 der jüngste Verkehrspilot Deutschlands. Auf der Syker Theaterbühne schilderte er den Gästen des Abends seine Erfahrungen als Pilot. Er berichtete über Erfahrungen im Cockpit und seinen ersten windbedingten Fast-Absturz. "Ich hatte über Ägypten etwa zwei Sekunden, um einen Absturz zu verhindern. Entgegen sonst üblichen Reaktionen drückte ich die Nase meines Flugzeugs nach unten, um es erst kurz vor dem Boden wieder hochzuziehen. Wieder oben angekommen, hatte ich den ersten Moment, um wieder durchzuatmen. Vorher funktioniert man nur. Schon drei Tage später saß ich wieder im Cockpit", so Philip Keil.
Als Sinnbild dieser Aktion dient Keil seine Uniform, die er auch zur Syker Eröffnungsveranstaltung trug. Er schilderte in seinen Ausführungen, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und am Ende Entscheidungen zu treffen. Fehlentscheidungen würden immer getroffen, der Umgang mit Fehlern aber würde am Ende über die Auswirkungen entscheiden. Fehler sind für Philip Keil menschlich, Fehlerketten aber zum Teil tödlich. Die Arbeit im Team, sich aufeinander verlassen zu können und auch über Fehler zu sprechen, hat für Keil höchste Priorität.
Mit dem Leitsatz, dass "wir die Dinge nicht immer so sehen, wie sie sind, sondern Dinge so sehen, wie wir sind", erklärte Philip Keil das Kapitänssyndrom. Zum besseren Verständnis zeigte er den 280 Sekunden dauernden Mitschnitt des Originalfunkverkehrs im Filmmitschnitt von einem Unfall des US-Airways-Inlandflugs 1549 vom 15. Januar 2009 vom Flughafen La Guardia in New York City. Nachdem Kanadagänse einen Vogelschlag in den Triebwerken verursachten, gelang dem Piloten Chesley Sullenberger im Gleitflug eine Notwasserung auf dem Hudson River. Alle 155 Menschen an Bord überlebten.
Mucksmäuschenstill verfolgten die Theaterbesucher den Verlauf der Funkgespräche. In absoluter sprachlicher Ruhe erklärte Kapitän Sullenberger dem Tower, dem Co-Piloten und den Fluggästen seine Entscheidungen und landete lebensrettend auf dem Hudson River. Die im Publikum aufkommende Bewunderung für das Verhalten Sullenbergers war deutlich spürbar. Mit tosendem Applaus dankten die Gäste dem Festredner.
Mit dem Wunsch, die mehr als 300 Ausbildungsberufe kennenzulernen, persönliche Kontakte zu knüpfen und mit Menschen von Angesicht zu Angesicht zu tun zu haben, verabschiedete Bernhard Zahn die Gäste. Er riet, nicht gleich nach Hause zu fahren, sondern sich im Foyer des Theaters weiter zu vernetzen.
Quelle: Weserkurier: 22.02.2025






