Großer Zuspruch auf der diesjährigen BIB
Zahlreiche Schüler haben in dieser Woche die Möglichkeit in Syke genutzt, um mit Unternehmen, Institutionen und Behörden auf der dreitägigen Berufsinformationsbörse (BIB) in Kontakt zu kommen. Rund 130 Aussteller informierten über Ausbildungsmöglichkeiten
„Wir erleben eine sehr gut besuchte Bib 2026 mit großem Interesse und vielen intensiven Gesprächen“, sagt Organisator Dennis Hammer. „Die Vielfalt der Aussteller und das Engagement an den Ständen machen die Veranstaltung schon jetzt zu einem vollen Erfolg.“ Zudem sei es schön zu sehen, mit wie viel Engagement Aussteller und Besucher die Bib mit Leben füllten. „Die Veranstaltung lebt vom persönlichen Austausch“, so Hammer – „und genau der findet hier in großer Zahl statt.“
Mehr als 100 Ausbildungsberufe: Manch eine hat sogar Plan Z im Hinterkopf
Insbesondere Mädchen zeigen großes Interesse an den Angeboten der Ausbildungsplatzbörse. So auch die 18-jährige Shafaq (18), die sich sehr gut eine kaufmännische Ausbildung vorstellen kann. Dem Unternehmen Kammann Metallbau sei sie auf der Berufsbörse über den Weg gelaufen. Der erste Eindruck stimmte, Lebenslauf und Bewerbungsunterlagen habe sie direkt am Stand eingereicht. Ihre Freundin Jessica (18) würde hingegen „gerne im sozialen Bereich arbeiten“. Maria (19) habe erst das Berufsbild der Verwaltungsfachangestellten in Betracht gezogen, sagt sie. Plan B sei Büromanagement. Plan C Informatikerin. Und als Plan Z zieht sie eine Tätigkeit im Einzelhandel in Betracht, zählt sie akribisch auf. Shazza (20) erzählt, dass sie schon immer Bauzeichnerin werden wollte. Die Berufsbörse helfe ihr sehr, um sich zu informieren und ein eigenes Bild zu machen.
Zahlreiche Aussteller buhlen derweil mit Sichtfängern um die junge Generation – und verbuchen damit sichtlich Erfolge. Madina beispielsweise posiert neben einem Einsatzmotorrad der Polizei und äußert den Wunsch, später selbst einmal Polizistin werden zu wollen. Der Autozulieferer ZF präsentiert mit einem Rennauto, das von Azubis des Unternehmens gebaut wurde, einen weiteren „Blickfänger“, wie Tom Quabe und Keno Rosenkranz berichten: „Das zieht die Leute an, um dann ins Gespräch zu kommen.“
Das Besondere an der Berufsinformationsbörse ist, dass sich Unternehmen nicht nur aus dem Landkreis Diepholz präsentieren können, sondern Firmen aus der gesamten Region vertreten sind. Das wird von den künftigen Azubis als ein Mehrwert geschätzt. Auch der Umweltbetrieb Bremen wirbt in Syke um Nachwuchs. Azubi Niclas Bulff ist im ersten Lehrjahr und schätzt die Tätigkeit im Grünen. Mehr als die Hälfte seiner Kollegen – und er selbst – wohnen im Bremer Umland und fahren mit dem Auto oder Zug zur Arbeit in die Stadt.
Für einen weiteren hanseatischen Betrieb werben die Inbev-Azubis Milan Schichragimov und Hasan Özdemir. An dem Stand der traditionsreichen Bremer Brauerei haben sie eine Miniatur-Sortieranlage aufgebaut, die kleine Plättchen bewegt. Technik, Verkabelung, Elektrik, Sensoren und Lichtschranken müssen dort im Kleinen zusammenwirken, erklärt Schichragimov. Eine weitere Ausbildung nach „deinem Geschmack“ bietet der Industriebetrieb Baker & Baker aus Delmenhorst an, an deren Infostand es Donuts zur allseitigen Verköstigung gibt.
Auch die verteidigungspolitische Zeitenwende in Deutschland spiegelt sich auf der diesjährigen Bib wider. Die Bundeswehr, die als Arbeitgeber die meisten unterschiedlichen Ausbildungsberufe auf der Informationsbörse anbietet, stellt sich demonstrativ im Außenbereich der BBS mit einem in Tarnfarbe lackierten Wohnmobil auf, an dem Soldaten Rede und Antwort stehen. Der Rüstungskonzern Rheinmetall profitiert ebenfalls von der neuen Zeit und präsentiert sich selbstbewusst.
Ein junges Team neben einer von Azubis gebauten Kampfmontur mit futuristischen Sensorik-Anbauten lockt die Schülergruppen. „Wehrtechnik hatte früher ein Schmuddel-Image“, berichtet eine Frau aus der Ausbildungsabteilung. Doch diese Zeiten, als Rheinmetall-Informationsstände vor zehn Jahren in Bremen noch umgeschmissen wurden, seien längst vorbei. Ihren Namen möchte sie dennoch nicht in der Zeitung lesen. 25 verschiedene Ausbildungsberufe bietet das Schwergewicht in der deutschen Rüstungsindustrie an – vom Dualen Studium über Industriekaufmann bis Elektroniker.
Beim Multimedia-Stand von „Video Art“ aus Bassum wurden indes Anspruch und Wirklichkeit an die neue Zeit deutlich. Sprach Bib-Festredner Wolfgang Bosbach am Donnerstagabend noch von der gesellschaftlichen Notwendigkeit von Bildung, Bildung, Bildung, zeigte sich auf der Berufsbörse am Beispiel eines Schülers an einem Teleprompter, dass dieser Zehntklässler nicht lesen konnte.
Für „Video Art“, die das zweite Mal auf der Bib vertreten sind, ist der Besuch auf der Berufsbörse dennoch ein großer Gewinn, erzählt Simon Ruhland. „Wir haben heute zwei Auszubildende mit dabei, die wir hier letztes Jahr gefunden haben. Wenn wir wieder zwei so super Azubis finden, sind wir glücklich.“







